Jugendverbände legen Positionspapier zur Zukunft des Hauses der Jugend vor

Oldenburg, den 14. Juni 2018

Jugendverbände legen Positionspapier zur Zukunft des Hauses der Jugend vor

  • Der Oldenburger Stadtjugendring (SJR) hat ein umfangreiches Positionspapier zur Zukunft des Hauses der Jugend in Oldenburg vorgelegt. Es soll die Debatte um ein neues Haus der Jugend weiter voranbringen.
  • Der SJR spricht sich weiterhin grundsätzlich für den Erhalt des Hauses der Jugend an der Von-Finckh-Straße aus, schlägt als alternativen neuen Standort jedoch auch die Schule am Bürgerbusch vor und formuliert klare Kriterien für einen neuen Standort.
  • Der von der Stadtverwaltung bislang favorisierte neue Standort am Artillerieweg wird seitens des SJR insbesondere als zu klein und als verkehrlich zu schlecht angebunden kritisiert.

Oldenburg. Mit der Aufgabe der Jugendherberge an der Von-Finckh-Straße ist auch die Zukunft des im selben Gebäude untergebrachten Hauses der Jugend in Oldenburg infrage gestellt. Die Stadtverwaltung und Teile des Stadtrats sprechen sich für einen Umzug des Hauses der Jugend an einen neuen Standort am Artillerieweg aus. Ziel ist es, das bisher genutzte Gelände anderweitig verwerten zu können. Entgegen anderslautender Presseberichte steht der SJR einem solchen Umzug unter den derzeit bekannten Umständen keineswegs offen gegenüber.

Das Haus der Jugend als zentraler Ort der Jugendverbände

Das Haus der Jugend ist der zentrale Ort für die Jugendverbandsarbeit in Oldenburg. Derzeit bieten mehr als 15 Vereine und Initiativen regelmäßig Angebote im Haus der Jugend an, darunter die Oldenburger Sportjugend, zwei Pfadfinder*innen-Stämme oder auch der Oldenburger Stadtschülerrat. Pro Woche werden in den Räumlichkeiten Veranstaltungen, Treffen oder Lehrgänge für junge Menschen im Umfang von im Durchschnitt mehr als 30 Stunden durchgeführt.

Möglicher neuer Standort am Artillerieweg weist erhebliche Defizite auf

Ein möglicher Umzug des Hauses der Jugend stellt den SJR, der das Haus eigenverantwortlich verwaltet, vor große Herausforderungen. Damit die Jugendverbandsarbeit in Oldenburg auch an einem neuen Standort erfolgreich fortgesetzt werden kann, muss ein neues Haus bestimmte Bedingungen erfüllen. Gemessen an den bislang bekannten Planungen genügt der seitens der Stadtverwaltung angedachte neue Standort am Artillerieweg zentralen Anforderungen der Oldenburger Jugendverbände derzeit nicht. Das wird schon daran deutlich, dass die am Artillerieweg zur Verfügung stehende Nutzungsfläche etwa nur knapp halb so groß ist wie die bislang an der Von-Finckh-Straße genutzte Fläche. Dies ist umso bezeichnender, wenn man sich vor Augen führt, dass schon jetzt die Fläche an der Von-Finckh-Straße nicht ausreichend ist, um allen interessierten Oldenburger Jugendverbänden für ihre Arbeit ausreichend Platz zur Verfügung zu stellen. Aber auch wenn man die Lage und Anbindung des vorgeschlagenen neuen Standorts am Artillerieweg betrachtet, gelangt man zu einem ernüchternden Ergebnis. So brauchen Jugendliche mit dem Bus vom Artillerieweg ins Stadtzentrum ganze 34 Minuten, am Standort Von-Finckh-Straße sind es nur vier Minuten.

Der Vorsitzende des SJR, Herr Simon Kurka, formuliert die Erwartungshaltung der Oldenburger Jugendverbände gegenüber Stadtverwaltung und Kommunalpolitik wie folgt:

Sofern ein Umzug überhaupt notwendig ist, hoffen die Jugendverbände in Oldenburg auf einen Umzug in ein geeigneteres Gebäude als das am Artillerieweg. Es kann in einer wachsenden Stadt wie Oldenburg nicht sein, dass ein neuer Standort für ein Haus der Jugend eine nur noch knapp halb so große Nutzungsfläche wie das bislang zur Verfügung stehende Gebäude aufweist und dabei für Kinder und Jugendliche verkehrlich noch deutlich schlechter erreichbar ist.“

50-seitiges Positionspapier vorgelegt – eigener Standortvorschlag

Der SJR hat nun ein gut 50-seitiges Positionspapier vorgelegt, in dem noch einmal alle grundlegenden Anforderungen an ein neues Haus der Jugend aus Sicht der Oldenburger Jugendverbände formuliert werden. In diesem Papier bewertet der SJR auch eingehend die Standortoption am Artillerieweg anhand objektiver Kriterien.

Schließlich bringt der SJR noch einmal einen eigenen Vorschlag für einen neuen Standort in die Debatte ein. Dabei handelt es sich um eine städtische Liegenschaft am Eßkamp, die bislang als „Schule am Bürgerbusch“ genutzt wird. Die Schule am Bürgerbusch ist als Förderschule Lernen eine auslaufende Schulform, sodass das Gebäude spätestens ab 2022 vollständig als ein neues Haus der Jugend zur Verfügung stehen könnte.

Frederik Peters, Vorstandsmitglied des SJR, führt zum Zweck des Positionspapiers aus:

Das vorgelegte Positionspapier soll keineswegs einen Schlusspunkt irgendeiner Debatte darstellen. Vielmehr ist es ein konstruktiver Debattenbeitrag von den in erster Linie Betroffenen – nämlich den Oldenburger Jugendverbänden. Damit nimmt der SJR seine satzungsgemäße Aufgabe als Interessenvertretung für Jugendliche und Jugendverbände wahr. Als ein solcher Interessenvertreter für mehr als 10.000 Kinder und Jugendliche in Oldenburg möchten wir die Debatte um die Zukunft des Hauses der Jugend in Oldenburg mit Politik, Stadtverwaltung und allen interessierten Bürger*innen ergebnisoffen weiterführen.“

Insbesondere die nun im Positionspapier formulierten 18 Kernpositionen stellen dabei aus Sicht des SJR einen wichtigen und sinnvollen Debattenbeitrag dar. Insgesamt zeigt das Positionspapier auch, dass bisherige Vorfestlegungen von Stadtverwaltung und Teilen der Kommunalpolitik für den Standort am Artillerieweg offenkundig auf falschen oder zumindest auf ungeeigneten Prämissen beruhen.

Am 20. Juni 2018 wird sich der Jugendhilfeausschuss noch einmal mit der Zukunft des Hauses der Jugend beschäftigen. Der SJR geht davon aus, dass dabei auch die nun noch einmal gesammelt formulierten Positionen berücksichtigt werden.

Beim Stadtjugendring Oldenburg e.V. handelt es sich um den Zusammenschluss von 26 Jugendverbänden, Jugendgemeinschaften, Jugendinitiativen und Jugendvereinigungen in der Stadt Oldenburg. Eine Kernaufgabe des Dachverbandes ist es, die Interessen von Jugendlichen und Kindern, ihrer Gruppen, Zusammenschlüsse und Verbände in der Öffentlichkeit und gegenüber politischen Entscheidungsträgern zu vertreten. Ferner verwaltet der SJR eigenverantwortlich das Haus der Jugend in Oldenburg. Insgesamt werden mehr als 10.000 Einzelmitglieder durch den SJR repräsentiert.

Die Kernpositionen des SJR

Die 18 Kernpositionen des SJR lauten:

  1. Durch den geplanten Abriss des Hauses der Jugend an der Von-Finckh-Straße ist ein Spannungsfeld entstanden, das eine nachhaltige Positionierung des Stadtjugendrings Oldenburg zur Zukunft des Hauses der Jugend erforderlich macht.

  2. Die Jugendverbände stehen einem Umzug des Hauses der Jugend an den Artillerieweg keineswegs „offen“ gegenüber, vor allem nicht unter den bisher bekannten Rahmenbedingungen.

  3. Im Sinne der gesetzlich verankerten eigenverantwortlichen Tätigkeit von Jugendverbänden sind die derzeitigen Kompetenzen des Stadtjugendrings Oldenburg im Falle eines Umzugs des Hauses der Jugend möglichst weiter auszubauen, mindestens jedoch auf gleichem Niveau zu erhalten. Dies gilt unter anderem für die Vergabe von Räumen im Haus der Jugend durch den Stadtjugendring Oldenburg.

  4. Synergieeffekte sind aus der gemeinsamen Nutzung eines Gebäudes durch Stadtjugendring Oldenburg und Fachdienst Jugend und Gemeinwesenarbeit nicht erkennbar. Eine gemeinsame Gebäudenutzung ist daher nicht zwingend vorzusehen.

  5. Die Stadtverwaltung hat die Erstellung eines Nutzungskonzepts für ein neues Haus der Jugend beauftragt. Der Stadtjugendring Oldenburg lehnt das vorgelegte Konzept ausdrücklich ab, denn das Papier geht an zentralen Punkten von falschen Annahmen aus und ist allein deshalb nicht als Planungsgrundlage geeignet. Zudem findet der Stadtjugendring Oldenburg die von ihm vertretenen Positionen in diesem Nutzungskonzept an entscheidenden Stellen nicht wieder.

  6. Die Von-Finckh-Straße ist zentral gelegen und gut erreichbar. Damit ist die Von-Finckh-Straße für ein Haus der Jugend vielen anderen Standorten vorzuziehen. Der Stadtjugendring Oldenburg spricht sich grundsätzlich für den Verbleib des Hauses der Jugend am bisherigen Standort aus. Wünschenswert wäre die Behebung des Sanierungsrückstands.

  7. Wenn ein Verbleib des Hauses der Jugend an der Von-Finckh-Straße nicht möglich ist, bietet sich aus Sicht des Stadtjugendrings Oldenburg die Schule am Bürgerbusch grundsätzlich als neuer Standort für ein Haus der Jugend an. Deswegen soll eine ergebnisoffene Prüfung dieser Standortoption durchgeführt werden.

  8. Es ist seitens des Stadtjugendrings Oldenburg mit großem Bedauern zu konstatieren, dass die politischen Realitäten und die seitens der Stadtverwaltung vorgenommenen Vorfestlegungen auf einen Umzug des Hauses der Jugend an den Artillerieweg hindeuten.

  9. Der Stadtjugendring Oldenburg sieht sich gezwungen, nun seine Ressourcen zur bestmöglichen Ausgestaltung des seitens der Stadtverwaltung und der Kommunalpolitik mehrheitlich als alternativlos offerierten Standortes am Artillerieweg einzusetzen. Um etwaiger Legendenbildung vorzubeugen wird klar formuliert: In diesem Schritt ist keinesfalls ein Gutheißen des Prozesses oder des Ergebnisses zu erkennen.

  10. Der am 14. Mai 2018 durch das Architekturbüro „gruppeomp“ vorgestellte Entwurf V1 für ein neues Haus der Jugend am Artillerieweg würde dem Bedarf der Jugendverbände deutlich mehr entsprechen als der Entwurf V2 und wäre im Vergleich als Grundlage für weitere Planungen vorzugswürdig. Die zugrunde gelegten Nutzungsflächen und der Standort selbst sind jedoch unzureichend.

  11. Im Ergebnis erwartet der Stadtjugendring Oldenburg für ein neues Haus der Jugend mindestens eine Bestandsgarantie hinsichtlich der derzeit an der Von-Finckh-Straße zur Verfügung stehenden Gebäudefläche von 1400 m².

  12. Sollte entgegen der Forderung des Stadtjugendrings Oldenburg am Standort Artillerieweg festgehalten werden, dann kommt für den Stadtjugendring Oldenburg nur die Nutzung des gesamten Gebäudes, ohne den Fachdienst, in Frage.

  13. Ein neues Haus der Jugend muss ausreichend Lagerflächen im Gebäude vorhalten, die den praktischen Anforderungen der Jugendverbandsarbeit genügen.

  14. Der Stadtjugendring Oldenburg weist nachdrücklich darauf hin, dass das Gebäude am Artillerieweg keinerlei räumliche Entwicklungsreserven für ein Haus der Jugend bereithält. Solche Reserven sind jedoch in Anbetracht des Bevölkerungswachstums in Oldenburg dringend notwendig.

  15. Die Außenanlage an einem neuen Haus der Jugend muss unterschiedlichste Mindestanforderungen an Sicherheit, Funktion und Ästhetik erfüllen.

  16. Ein Haus der Jugend muss per ÖPNV bestmöglich für junge Menschen angebunden sein. Die Anbindung des Artilleriewegs müsste dafür deutlich verbessert werden.

  17. Sofern die Politik sich auch nach den hier vorgelegten Ausführungen nicht in der Lage sieht, eine bessere Entscheidung im Sinne der Jugendverbandsarbeit zu treffen, als vorzusehen, dass das Haus der Jugend in den Artillerieweg umziehen muss, würde sich der Stadtjugendring Oldenburg – ohne einverstanden zu sein (!) – dieser Entscheidung beugen, sofern die Jugendverbände das ganze Gebäude allein zur Verfügung gestellt bekommen. Darauf aufbauend setzt sich der Stadtjugendring Oldenburg dafür ein, das Bestmögliche für die Jugendverbandsarbeit zu erreichen. Die Jugendverbände hoffen weiterhin auf den Umzug in ein geeigneteres Gebäude und vor allem auf eine kompetente Unterstützung junger Menschen, in diesem Fall insbesondere der Jugendverbandsarbeit in Oldenburg.

  18. Der Stadtjugendring Oldenburg steht als Ansprechpartner für einen weiteren Dialog über die Zukunft des Hauses der Jugend zur Verfügung. Er wünscht sich dabei eine Diskussion auf Augenhöhe, in der auch Alternativen zum Standort am Artillerieweg geprüft werden. Losgelöst von der Frage, wo es in Zukunft ein Haus der Jugend in Oldenburg geben wird, muss eine angemessene Förderung der Jugendverbandsarbeit auf kommunaler Ebene weiterhin sichergestellt sein.

Das gesamte Positionspapier ist abrufbar unter:
https://www.stadtjugendring-oldenburg.de/wp-content/uploads/2018/06/document.pdf

Pressekontakt:

Simon Kurka info@sjr-ol.de 0441- 8000844

Vorsitzender des Stadtjugendrings Oldenburg e. V.

Textmaterial frei zur redaktionellen Verwendung; Belegexemplar erwünscht.